Lehrer-Magazin/sek

Foto: © Olivier Papegnies, Belgien
von Evelin Stark, am 28.05.2020

Poesie im Protest

Für den renommiertesten Fotowettbewerb der Welt „World Press Photo“ wurden heuer in allen Kategorien zusammen insgesamt 74 000 Fotos von rund 4300 Fotografen eingereicht. Eine internationale Jury kürt jedes Jahr die Sieger und vergibt die Plätze eins bis drei.

Das „World Press Photo“ des Jahres trägt den Titel „Straight Voice“. Es zeigt einen jungen Mann, der mitten in den Protesten gegen den sudanesischen Langzeitherrscher Omar al-Bashir ein Gedicht vorträgt, während er von Handys angestrahlt wird. Obwohl die monatelangen Proteste im Sudan von Gewalt und Verzweiflung geprägt waren (al-Bashirs Sturz fand im April 2019 statt), strahlt dieses Foto einen Moment der Ruhe und Hoffnung aus.

Viele Menschen, gerade Jugendliche, halten ihren Alltag auf Fotos fest und teilen sie sogleich auf Social Media mit allen Interessierten – vom „Foodie“ des Mittagessens über einen Schnappschuss zwischendurch bis zum „Selfie“. Aber Fotos sind keinesfalls ein Zufallsergebnis: Sie sind sorgfältig komponierte Bilder, bei dem Bildausschnitt und Kameraeinstellung, Farbgebung und verschiedene Bildtraditionen die Aussage des Fotos bestimmen.

Über die Wirkung eines Fotos zu sprechen und reflektieren, es also lesen zu lernen, kann deshalb ein spannendes Tool für den Unterricht sein. Fotos regen nämlich nicht nur zum Austausch an, sondern auch dazu, Texte über sie zu verfassen oder sie als Grundlage für Aufsätze oder Referate zu verwenden. Zudem fördert die Arbeit mit Bildern die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler, Bedeutungen zu umschreiben, also zu semantisieren.

Für den Unterricht
Beitrag in der Zeitschrift:

TOPIC, Juni 2020, S. 6/7
Online-Material:

Interaktive Tafel
Unterrichtsfächer:

D, GS, GW, PolBil, BE
ab der 7. Schulstufe